Geschichte der Kirche St. Michael
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Das erste nennenswerte katholische Leben nach der Reformation beginnt in Bremervörde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges durch den starken Zuzug der aus dem Osten Fliehenden und dann der Heimatvertriebenen. Nach der seit 1940 von Geestemünde aus versehenen Seelsorge folgt am 1. Oktober 1945 die Errichtung einer eigenen Seelsorgestelle und die Ernennung von Pastor Wilhelm Machens zum ständigen Seelsorger in Bremervörde.

1948 wird die Notkirche in der Flutstraße benediziert 1956 wird St. Michael eine staatlich anerkannte Kuratiegemeinde, 1980 wird sie Pfarrei.

Dank der fortdauernden Bemühungen der Geistlichen und der Mitarbeit der Gläubigen kann im August 1963 die neue St. Michaels-Kirche, Am Mahlersberg, von Bischof Heinrich Maria Janssen aus Hildesheim konsekriert werden.

Die Kirche wurde als asymmetrischer Langschiffbau nach den Plänen und unter der Bauleitung der Architektengemeinschaft Logemann-Brandt, Bremervörde/Ippensen 1963 erbaut.

Zur Kirche gehört außerdem ein kleines Pfarrheim, das 1983 erweitert wird. 1966 folgt der Bau des Pfarrhauses neben der Kirche. Mit der notwendig gewordenen grundlegenden Renovierung der Kirche (wegen Absenkung des Fußbodens und wiederholtem Wassereinbruch in die Heizungsschächte und Keller unter der Sakristei) wird 1978 auch der Altarraum neu gestaltet und die Kirche erhält ihr heutiges Aussehen.

Die Mitte der Stirnwand wird von dem 5 m hohen Holzkruzifix beherrscht, das uns zur Mitte unseres Glaubens führt, zu dem Gekreuzigten, der den Tod besiegte, für uns Erlösung bewirkte und uns - fast königlich - mit ausgebreiteten Armen zur Nachfolge einlädt.

 

 

Links neben dem Kreuz: die große holzgeschnitzte Michaelsfigur. Der Erzengel Michael ist der Namenspatron der Kirche. Er ist dargestellt im siegreichen Kampf gegen den Drachen, das Sinnbild des Bösen, dem er damals wie heute zuruft: "Wer ist wie Gott?"

Der Altar aus grauschwarzer Basaltlava wurde 1978 von der Stirnwand in die Mitte des Altarraumes gerückt und ist der Mittelpunkt jeder Eucharistiefeier als Tisch für die Darbringung und Verwandlung der Gaben und für das eucharistische Mahl.

Bei der Umgestaltung des Altarraumes wurde die Tabernakelstele neu geschaffen, um das Ewige Licht und den Tabernakel aufzunehmen, der bisher auf dem Altar unter dem Kreuz seinen Platz hatte. Die neue zusätzliche Bronzetür des Tabernakels und der neue Ambo aus Bronze wurden einander angepaßt. Die Tabernakeltür zeigt den "ungläubigen Thomas", der bei der ersten Begegnung mit dem Auferstandenen seine Hand auf die Wundmale Jesu legen darf (Joh 20,27), "...sei nicht ungläubig, sondern gläubig!". Fehlt nicht auch uns manchmal der Glaube an das Geheimnis der verborgenen Gegenwart Jesu im Tabernakel?

Der Ambo dient der Verkündigung des Wortes Gottes, erkennbar an der großen Gestalt des Verkünders, der sich als Empfangender zur aufgehenden Sonne, zu Jesus Christus hin öffnet, aber seinen Blick nach unten - zu uns? - richtet. Die rechte Seite des Ambos zeigt Menschen, die Augen und Ohren verschließen und ihren Geschäften nachgehen. Die Menschen auf der linken Seite wenden sich mit Augen, Ohren und Gesten dem Verkünder zu. (vgl. die Auslegung des Gleichnisses vom Sämann Mt 13//Mk 4//Lk 8) "Auf guten Boden ist das Wort bei denen gesät, die es hören und aufnehmen und Frucht bringen, dreißigfach, ja sechzigfach und hundertfach." (Mk 4,20)

Die Ausstattung des Altarraumes wird durch die sechs Bronzeleuchter und den Osterkerzenleuchter - mit Motiven aus dem AT und NT - vervollständigt.

Das Marienmosaik an der Stirnwand des rechten Seitenschiffs zeigt Maria, wie sie mit ernstem Blick und umsorgender Geste ganz auf ihren Sohn gerichtet ist, der wie ein König mit Kreuznimbus in rotem Gewand mit ausgestreckter einladender Hand seinen wohlwollenden Blick auf den Betrachter richtet.

Vor dem Marienmosaik steht seit 1978 das Taufbecken, wie der Altar und die Tabernakelstele aus grauschwarzer Basaltiava, mit einem blau emaillierten Deckel mit sieben Bergkristallen, dem größten in der Mitte, der die Taufe als grundlegendes Sakrament für ein christliches Leben deutet.

1979 wurde die ehemalige Taufkapelle zur Marienkapelle umgestaltet.

Eine von einem Gemeindemitglied gestiftete “Pietà” wurde aufgestellt, dazu ein Ständer für Opferkerzen.

Die Pietà ist die Nachbildung eines Vesperbildes aus dem 13. Jahrhundert, das im Kunsthistorischen Museum in Salzburg steht.

 

Die Fensterwand in der Marienkapelle zeigt drei Motive aus dem Alten Testament: die Arche Noahs (Gen 6,14ff); Jona wird vom Fisch an Land gespien (Jona 2,1-11); Mose und die Israeliten durchqueren auf trockenem Boden das Meer (Ex 14,15ff) - drei Zeichen der Rettung durch das Eingreifen Jahwes und des Neuanfangs - wie bei der Taufe.

Demselben Künstler ist es sehr gut gelungen, die große Ganzfensterfront als "Benedicite", als Lob der Schöpfung in Anlehnung an den Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen (Dan 3.Kapitel) zu komponieren. "Preist den Herrn, all ihr Werke des Herrn; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!" (Dan 3,57).

              

Die Bilder der 14 Kreuzwegstationen an der Südwand der Kirche wurden 1965 erworben,

ebenso die Josefsstatue am Kircheneingang.

1986 erhielt St.Michael eine kleine Pfeifenorgel der Orgelbauwerkstatt Gebr. Oberlinger in Windesheim. Sie wurde auf der Grundlage der "Jubiläumsorgel 1985" eigens für diesen Kirchenraum geschaffen.

Die Anschaffung zweier Glocken erfordert 1995 die Aufstockung des Kirchturms.

   
  Der mit viel Grün und einem Brunnen ausgestattete Vorplatz der Kirche, der Parkplatz und die große Wiese hinter der Kirche laden zu Festen und Feiern im Freien ein.

Künstlerische Gestaltung der Kirche St. Michael:

Nienhaus, Wessum/Ahaus:

Fenster und Marienmosaik 1963

Krautwald, Rheine:

Kruzifix 1963
Michaelsfigur 1963
Ambo 1978
äußere Tabernakeltür 1978
Leuchter 1983
Osterleuchter 1984

Polders, Kevelaer:

Tabernakel 1963
Deckel des Taufbeckens 1963

Kernbach, Nordstemmen:

Altar 1963
Taufbecken 1963
Tabernakelstele 1978

Meininger, Gilching/ Starnberger See:

Kreuzweg 1965
Josefsstatue 1965
Pietà 1979

Text: Monika Teschner Fotos: Heinz Radtke / Franz Seifert Layout: Gabriele Hüchting